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Mehr aus Fotos machen. Farbstimmung und gezielte Unschärfe

Heute startet die Reihe “mehr aus Fotos machen” in der ich mit euch Ideen sammeln will um Fotos einen gewissen Touch zu verleihen. Wer kennt das nicht? Ihr habt ein tolles Foto gemacht, doch irgendwie will beim Betrachten keine echte Stimmung aufkommen. Das Salz in der Suppe scheint zu fehlen. Dieses Salz nennt der Fotograf und/oder Photoshopper Touch oder auch Look.

Fotos können auf verschiedene Wege einen gewissen Touch bzw. Look bekommen, bereits während dem Fotografieren oder erst in der Nachbearbeitung. In dieser Reihe möchte ich euch ein paar Möglichkeiten einen Touch zu erzeugen näher bringen. Es handelt sich hierbei um ein Tutorial für welches ihr schon etwas Erfahrung in Photoshop mitbringen solltet, da einige Vorgehensweisen nicht bis ins Detail erklärt werden.

Heute startet wir mit der einer nachträglichen Unschärfe die eine Fokusänderung zur Folge hat. Die erzeugt einen geheimnisvollen und mystischen Touch, der ganz nebenbei die Aufmerksamkeit des Betrachters in eine vorgegebene Richtung lenkt. Erzeugt wird sie in der Nachbearbeitung. Gemeinsam mit der ein oder anderen Farbkorrektur wollen wir zu diesem Ergebnis kommen:

Fokus ändern

Im direkten Vergleich hier das Original:

Original im Vergleich

Das obere Bild wirkt düster, rau und unbequem. Der Blick wird auf das untere Drittel des Bildes gelenkt und legt somit den Fokus auf das hochgewachsene Gras. Durch die Farbveränderung des Fotos erzeugen wir eine Stimmung und unterstützen den Charakter des Bildes enorm. Dagegen wirkt das Original das ich an einem nasskalten Sommermorgen aufgenommen habe, wie ein gut gemeinter Schnappschnuß. Durch den Fluchtpunkt wird der Blick des Betrachters über den Zaun nach hinten auf den kleinen Berg gelegt. Das Gras im Vordergrund wird zur Nebensache. Gleichzeitig wirkt das Gras durch das starke Grün sehr saftig und steht so im Widerspruch zum unbequemen und Wetter.

Konzept

Wie komme ich nun zu einem passenden Bildergebnis, einem Touch der die Aussage des Bildes unterstützt? Zunächst muss ich mir im klaren darüber sein welches Bild ich möchte. Im besten Fall wisst ihr es schon wenn ihr das Bild fotografiert und geht gemäß euren Vorstellungen an die Bildbearbeitung.  Zugegeben, als ich dieses Foto machte, wußte ich nicht wo die Reise hingehen soll. Mir gefiel einfach der Zaun der irgendwo im Nirgendwo stand. Im Nachhinein habe ich mir gedacht das, daß Bild sicher toll aussehen würde wenn man hier eine düstere Stimmung einbauen würde. Zusätzlich wäre es cool dem Gras im Vordergrund die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

An jedes Bild müsst ihr hierbei anders herantreten. Wo liegen die Stärken des Bildes, wo die Schwächen? Was ist mir innerhalb des Fotos wichtig, was nicht? Welche Stimmung möchte ich erzeugen? Eine beklemmende, beflügelnde oder beeindruckende? Das nötige Gefühl hierfür entwickelt ihr mit der Zeit. Übung macht auch hier den Meister.

Bearbeitung

Auf geht’s, wir starten Photoshop und öffnen das Bild. Wenn ihr euch mit Photoshop schon etwas auskennt, dann sollte es keine 10 Minuten dauern bis einem Bild den nötigen Touch gegeben habt. Für diese Bild bin ich wie folgt vorgegangen.

Schritt 1 – Unschärfe

Die Hintergrundebene des Fotos dupliziert ihr (Ebene markieren und Taste STRG+J drücken). Die Kopie der Hintergrundebene wird dann mit dem Filter “Gaußschen Weichzeichner” unscharf gezeichnet.

Gaußscher Weichzeichner

In dieser Ebene erstellen wir jetzt eine Maske und zeichnen mit dem Pinselwerkzeug die Bildbereiche wieder ein die Scharf erscheinen sollen.

Maskierungsmodus

Als Ergebnis erhalten wir ein Bildmix aus scharfen und unscharfen Bereichen. Der Bereich den wir scharf belassen wird automatisch zum Blickmagnet, denn das menschliche Auge orientiert sich an klaren Konturen. Gleichzeitig rückt der kleine Berg im Hintergrund aus dem Blickfeld da er nun in Unschärfe “verschwindet”.

Unschärfe eingezeichnet

Schritt 2 – Korrekturen

Jetzt geht es an die Stimmung des Bildes. Erzeugt wird sie durch ein interessantes Farbspiel das unsere Bildaussage unterstützen soll. Diese Korrekturen sind sehr Motiv abhängig und nicht zu verallgemeinern. Anhand meines Bildbespiels erkläre ich nur meine Vorgehensweise spezifisch für dieses Foto.

Tonwertkorrektur

Tonwertkorrektur

Um das Foto dunkler zu zeigen um so eine düstere Stimmung zu erzeugen ziehe ich den Regler für die Tiefen (schwarzes Dreieick unterhalb des Histogramms) etwas nach rechts. Die Mitteltöne (graues Dreieck) werden automatisch ebenfalls verändert und steigern somit den Schwarzanteil des Fotos gewaltig.

Farbton/Sättigung

Sättigung

Mit einer neuen Korrekturebene Farbton/Sättigung, ziehe ich das “lebendige” aus dem Bild um das stechende Grün aus dem Gras zu nehmen.

Farbbalance

Farbalance

Letztlich lege ich eine Ebenenkorrektur Farbbalance an und entziehe dem Bild die fade bläuliche Stimmung. Erhöhe also den Rot, Grün und Gelb Anteil. Auch in den Tiefen (hier nicht abgebildet) erhöhe ich den Rotwert um +20. Ergebnis ist eine kühle rötlich/braun wirkende Stimmung. Düster und dreckig.

Das Bild wirkt jetzt! Ein Fokus der im Bereich der Gräser liegt mit einer intensiven Farbstimmung. Das Foto macht jetzt richtig Spaß. Nach dieser Methode könnt ihr selbstverständlich auch eure Bilder beeinflussen. Denkt aber daran, dass je nach Foto mit den Effekten variiert werden muss. Dies betrifft insbesondere die letzten Farbkorrekturen.

Wenn ihr wollt könnt ihr euch hier die passende PSD zu diesem Tutorial herunterladen (ca. 15 MB):

PSD herunterladen


2 Reaktionen

6. Januar 2010

Noch eine Anmerkung zum Schluß: Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen. Es geht in diesem Tutorial nicht(!) um Tiefenunschärfe. Vielmehr übernehmen wir selbst die Kontrolle über beliebig viele scharfe und unscharfe Bereiche des Bildes. Ein gezielter Schärfeverlauf ist nicht das Ziel. Am ehesten könnte man dies als Lens Baby Effekt beschreiben.

(Ich finde das sollte ich auch hier nochmal klarmachen. Musste nämlich diesbezüglich gerade telefonisch ein Statement abgeben) ;-)

[...] Der Pixelstarter Joachim beginnt mir einer neuen Reihe: “mehr aus Bildern machen” Im ersten Artikel dazu zeigt er wie ein ausgewähltes Bild bearbeitet, um den richtigen Touch reinzubringen: Mehr aus Fotos machen. Farbstimmung und gezielte Unschärfe | pixelstarter.de. [...]

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